Sommerurlaub in Zeiten von Corona

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07.05.2020, Spanien, Palma: Eine rote Flagge weht am Strand von Arenal, um das Schwimmen zu verbieten. Die Abwesenheit von Touristen ist an den Stränden Mallorcas spürbar. «Das Wasser ist derzeit spektakulär transparent», sagt der Biologe Txema Brotons. (zu dpa "Mallorca ohne Urlauber - ein Segen für die Umwelt?") Foto: Clara Margais/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Am Mittelmeer beginnt in diesen Tagen die Badesaison. Zwischen Mallorca, St. Tropez und Capri wird es unvergessliche Ferien geben. Welche Regeln haben die Regierungen aufgestellt – und wie streng sind sie?

Eine gute Nachricht immerhin gibt es von den Stränden am Mittelmeer: Kaum jemand spricht noch von Plexiglas-Boxen als Virenschutz. Wochenlang hatte die Idee potenzielle Urlauber belustigt oder irritiert. Ein Sonnenschirm, zwei Liegen und vier transparente Wände – so sahen die Sommerferien 2020 in Computersimulationen zunächst aus.

Inzwischen liegen in den wichtigsten Mittelmeerstaaten konkrete Pläne für die Badesaison vor. Und an vielen Küsten öffnen in diesen Tagen wieder die Strände. Deutsche Urlauber müssen mit ihren Reisen zwar noch warten, aber Einheimische können schon jetzt erfahren, wie sich das Strandleben in Zeiten von Covid-19 ändert.

Frankreich, Italien und Spanien wurden besonders hart vom Coronavirus getroffen. Um die Pandemie zu stoppen, erließen die drei Staaten im Lockdown europaweit die härtesten Regeln. Ist nun auch an ihren Mittelmeerküsten und am französischen Atlantik mit entsprechender Strenge zu rechnen?
Spanien: Getrennte Zonen für Familien, Senioren und Singles oder Paare ohne Kinder

In Spanien gibt es 8000 Kilometer Küste, mehr als 3500 Strände, seit Montag darf wieder gesurft und geschwommen werden; Sonnenbaden ist noch verboten.

Bis wieder Touristen ihre Handtücher ausbreiten, wird es noch Wochen dauern. Frühestens Anfang Juli dürfen Spanier in andere Provinzen reisen. Ausländer müssen bei der Einreise nach Spanien künftig 14 Tage in Quarantäne. So hat es die Regierung gerade beschlossen, die Opposition ist entsetzt. „Wahnsinn“ sei das, glauben die Konservativen.

Viele Bürger wollen nach zwei Monaten Ausgangssperre wieder Sand und Salzwasser an den Füßen spüren. Doch in Spanien geht es beim Streit um die Strände nicht in erster Linie um die eigene Freiheit, sondern eher ums wirtschaftliche Überleben. In einigen Küstenstädten hängt jeder zweite Job am Tourismus.

Deswegen sollen die Strände zumindest für Spanier so schnell wie möglich öffnen. Das zuständige Ministerium arbeitet noch an einem Sicherheitsprotokoll, Duschen und Toiletten könnten geschlossen bleiben; die Bürgermeister überlegen trotzdem schon mal, wie die neue Normalität an den Stränden aussehen kann.

In Lloret de Mar soll es drei Zonen geben, Familien, Senioren und Erwachsene ohne Kinder sonnen sich dann getrennt. Ob das wirklich ausreicht, ist unklar. Viele andere Strände wollen Parzellen ausweisen. 4,4 Meter sollen in Calvià, im Westen Mallorcas, zwischen den Sonnenschirmen liegen, 8 Meter werden es wohl im Norden in Alcúdia sein. Gut möglich, dass die Rettungsschwimmer sich in Blockwarte verwandeln werden.

An der Costa de Sol will man mit Sensoren an den Straßenlaternen experimentieren, sie sollen messen, wie voll der Strand ist. Debattiert wird über Apps und Ampeln. Das Ziel: Der Strand darf nicht zu voll werden. Halbnackte Menschen, die Ellenbogen an Ellenbogen liegen – diese Bilder wird es in diesem Jahr nicht geben. Der Platz wird knapp, die Liege schon im Morgengrauen mit einem Handtuch zu reservieren, birgt künftig noch mehr Konfliktpotenzial.
Frankreich: Schwimmen ist erlaubt, Sonnenbaden vorerst verboten

Seit Mittwoch dürfen Franzosen an der Atlantikküste wieder an einigen Stränden baden gehen. Am Wochenende sollen auch die Strände an der Côte d’Azur wieder öffnen: Schwimmen und Spazierengehen ist erlaubt, auch Volleyball mit der Familie. Aber sich zum Bräunen an den Strand zu legen oder zu picknicken bleibt verboten. Es ist ein Stück Normalität in Frankreich, wo seit dem 16. März eine nahezu komplette Ausgangssperre galt.

Um die Strände zu öffnen, müssen die Bürgermeister, in deren Regierungsbezirken Strände liegen, die Präfekten der Regionen um die Öffnung bitten. Wer seinen Strand öffnen will, muss ein Konzept vorlegen, wie sichergestellt wird, dass die Bürger Abstand voneinander halten werden.

Die Bürger freuen sich. Aber die Öffnungen sind nicht unumstritten. Die Bürgermeister machen Druck bei den Präfekturen. Erstens wegen der lang andauernden Ausgangssperre. Aber auch, weil sie sich fragen, warum kleine Läden in engen Innenstädten wieder öffnen dürfen, die weitläufigen Strände aber geschlossen bleiben sollen. Doch die Präfekten befürchten, dass Bürger aus den umliegenden Gegenden am Wochenende an den Strand kommen würden und nicht genug Abstand halten.

Die Strände an der Côte d’Azur oder an der Atlantikküste sind Teil der örtlichen Kultur. So wie es in anderen Städten normal ist, in Parks zu spazieren oder am Wochenende an den See zu fahren, ist es für Anwohner der Küstenstädte normal, morgens im Meer baden zu gehen oder sich abends am Strand auf einen Drink zu treffen.

Für die Tourismuswirtschaft ist die Öffnung der Strände nur ein kleiner Schritt zum Erfolg. Denn Restaurants und Cafés, die vom Strandverkehr leben, müssen weiterhin geschlossen bleiben. Eine Entscheidung, wann sie wieder öffnen können, soll laut Premierminister Edouard Philippe Anfang Juni fallen.
Italien: Digitale Armbänder schlagen Alarm, wenn Abstandsregeln verletzt werden

Die Erleichterung war groß, als Premierminister Giuseppe Conte am vergangenen Sonntag endlich den Weg an den Strand freimachte. „Diesen Sommer verbringen wir nicht auf dem Balkon“, sagte der Ministerpräsident, „wir können ans Meer“.

Seit Beginn der Quarantäne hatten viele Italiener gebangt und gerätselt, wann und unter welchen Umständen sie in diesem Jahr an ihren Lido können. An diesem Montag ist es so weit. An der Adria, in Ligurien und an der Küste vor Rom öffnen die Strände. Andere Regionen ziehen Ende des Monats nach.

Oft dürfen zunächst nur Spaziergänger und Schwimmer an oder ins Wasser, stundenlanges Abhängen am Strand wird es vielerorts erst später geben. Und wenn komplette Strandtage möglich werden, gelten strenge Regeln: Besucher müssen ihre Plätze vorher per App reservieren; der Zugang zum jeweiligen Lido wird in vielen Fällen mit Zeitfenstern gestaffelt werden, damit sich keine Warteschlangen bilden.

Zwischen den Sonnenschirmen muss es mindestens 4,5 Meter Abstand geben. Liegen sollen mindestens zwei Meter voneinander entfernt sein. Es ist verboten, sich mit dem Handtuch direkt auf den Sand zu legen. Beachvolleyball wird untersagt, ebenso jeder andere Sport, der zu Menschenansammlungen führt.

So wie Bademeister das Wasser überwachen, sollen Strandmeister dafür sorgen, dass Abstandsregeln und Versammlungsverbote respektiert werden. An manchen Orten sind sogar für alle Badegäste digitale Alarmbänder im Gespräch. Sie schlagen Alarm, wenn Abstandsregeln verletzt werden. An freien, nicht bewirtschafteten Stränden sollen Drohnen aus der Luft das Verhalten der Urlauber überwachen.

Wie die Erholung unter diesen Umständen ausfällt, wird sich zeigen. Wirtschaftlich wird es für die Anbieter auf jeden Fall schwer. Maurizio Rustignoli ist Präsident des Verbands der italienischen Strandbadbetreiber. „Abstandsregeln von vier bis fünf Metern zwischen den Sonnenschirmen machen das Geschäft für 50 Prozent unserer Unternehmen unmöglich“, sagt er. „Den Sommer am Strand können wir vergessen.“